Nicht alle Begriffe sind eindeutig besetzt, insbesondere die Begriffe, die erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden und weiterhin entwickelt werden. In diesem Glossar halten wir darum die für diese Studie gewählten Begriffsvereinbarungen fest.
Asexualität ist eine Ausprägung der sexuellen Identität. Als „asexueller Mensch“ kann ein Mensch verstanden werden, der − unabhängig von seinem Geschlecht − kein Bedürfnis nach sexueller Interaktion mit einer anderen Person hat („sexuelle Lustlosigkeit“). Eine wissenschaftliche Definition von Asexualität speziell für den Menschen gibt es noch nicht. Klar abzutrennen vom Begriff der Asexualität ist der freiwillige (Zölibat) oder unfreiwillige Verzicht auf Sexualität. Unter Letzteres fällt die Thematik der Menschen ohne Beziehungserfahrung (Absolute Beginners (ABs)).
Unter Beratung fassen wir professionelle, ehrenamtliche und Peer-Beratung (also Fragenbeantworten untereinander) zusammen. Anfragen im Sinne der Studie sind alle Fragen und Hilfegesuche, die online gestellt werden, also als Forumseintrag, per eMail oder im Chat oder über das Webangebot initiiert wurden, zum Beispiel Anrufe.
Als Bisexualität (eigentlich „Ambisexualität“, nach der lateinischen Vorsilbe bi- für „zwei“) bezeichnet man die sexuelle Orientierung, sich bei der Liebe, Romantik und im sexuellen Begehren zu Menschen beiderlei Geschlechts hingezogen zu fühlen. Als Kurzform ist das Adjektiv bi gebräuchlich.
Homosexualität (bzw. Homophilie) bezeichnet eine sexuelle Orientierung, bei der Liebe, Romantik und sexuelles Begehren ausschließlich oder vorwiegend für Personen des gleichen Geschlechts empfunden werden. Homosexuelle Frauen werden auch lesbisch genannt, homosexuelle Männer schwul.
Der Begriff Gender bezeichnet das „soziale“ oder „psychologische“ Geschlecht einer Person im Unterschied zum biologischen Geschlecht (engl. sex). Der Begriff wurde aus dem Englischen übernommen, um auch im Deutschen die Unterscheidung zwischen sozialem (gender) und biologischem (sex) Geschlecht treffen zu können, da das deutsche Wort Geschlecht in beiden Bedeutungen verwendet wird.
Transgender ist ein Mensch, der eine andere, als die für das körperliche Geschlecht (engl. sex) gesellschaftlich übliche soziale Geschlechtsrolle (engl. gender) lebt. Zu den Transgendern zählen auch Cross-Dresser, bewusst androgyne Menschen, Drag Kings und Drag Queens - aber nur dann, wenn das Überschreiten der Geschlechtsrolle für sie nicht nur als Travestie / Verkleidungskunst / Show, angesehen wird.
Transsexuell ist ein Mensch, der sich dem anderen als dem bei Geburt festgestellten/zugewiesenen Geschlecht zugehörig fühlt und danach strebt, sich auch körperlich diesem Geschlecht so gut wie möglich anzunähern. Hierbei stehen nach dem deutschen Transsexuellengesetz zwei verschiedene Wege offen: die "Kleine Lösung", bei der der Vorname und auf Wunsch auch der Geschlechtseintrag im Pass geändert werden können und die "große Lösung", bei der nach der geschlechtsangleichenden Operation der Personenstand (in der Geburtsurkunde) geändert wird. In Österreich wurde das Transsexuellengesetz wegen der Auflagen zur Personenstandsänderung als verfassungwidrig erklärt und aufgehoben. In der Schweiz gibt es kein spezielles Transsexuellengesetz.
trans* ist eine (besonders im Internet) gebräuchliche Abkürzung und/oder Zusammenfassung von Transgender und Transsexualität.
Sexuelle Orientierung erfasst die nachhaltigen Interessen eines Menschen bezüglich des Geschlechts eines potentiellen Partners / einer potentiellen Partnerin. Die sexuelle Orientierung basiert auf Emotion, romantischer Liebe, Sexualität und Zuneigung. Gegenüber sexuellem Verhalten unterscheidet sie sich durch den Bezug auf Gefühle und Selbstkonzept - darauf basierendes sexuelles Verhalten kann stattfinden, muss aber nicht. Zwischen den beiden Extremen (Homo- und Heterosexualität) herrscht eine stufenlose Vielfalt. In einer Studie aus Schweden an eineiigen Zwillingen wurde 2008 belegt, dass die Faktoren, die die sexuelle Orientierung steuern, sehr komplex sind.
Die sexuelle Orientierung wird meist als einer von mehreren Teilen der sexuellen Identität angesehen. Während der Begriff Identität auf das Individuum bezogen ist (also sich selbst), ist die Orientierung auf eine andere Person ausgerichtet. Darum kann die sexuelle Identität im Gegensatz zur sexuellen Orientierung auch Transgender oder Asexuelle mit einschließen. Sexuelle Identität kann auch viel umfassender sein als lediglich die Frage nach der Wahl des Geschlechts eines potentiellen Partners. Ob Sex überhaupt oder anonym, in Beziehungen, in welcher Häufigkeit oder mit welchen Praktiken stattfindet und das Verständnis der eigenen Geschlechtsrolle (Gender) sind Bestandteile der sexuellen Identität.